Durch das Verwenden der Übersetzungsfunktion wird eine Verbindung zu Google aufgebaut. Dadurch werden Ihre personenbezogenen Daten an Google weitergeleitet!

zur Navigation zum Inhalt zum Footer
Stand: 01.07.2026 Neuigkeiten

NS-Projekt des Stadtarchivs: Forschungsergebnisse werden veröffentlicht

NS Projekt Stele Bertleinschule Foto Kirchmayer

Bürgermeister Thomas Lang mit Michael Meye von der Abteilung Kultur und Freizeit, Helmut Summer von der Summer Kulturstiftung, dem Historiker Christoph Maier, Dr. Ina Schönwald, der Leiterin des Stadtarchivs, sowie ihrem Mitarbeiter Simon Kubiak (von rechts) neben der Stele, die kürzlich neben der Bertleinschule aufgestellt wurde.

Foto: Andreas Kirchmayer/ Stadt Lauf

Seit mittlerweile vier Jahren beschäftigt sich das Laufer Stadtarchiv intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus in Lauf. Zunächst wurde anhand der Ergebnisse der Forschung ein Schulprojekt entwickelt, das von der Summer Kulturstiftung gefördert wird. Nun werden die Erkenntnisse auch der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht: Auf der Webseite https://www.stadtarchiv-lauf.de/brennpunkte-des-nationalsozialismus-projekte/ können sich Bürgerinnen und Bürger über die dunklen Tage in der Laufer Geschichte informieren. Dort kann man unter anderem erfahren, wie die Situation von Zwangsarbeitern in Lauf war, wie die Nationalsozialisten Orte wie das Rathaus und die Wenzelburg für sich nutzten und wie den Faschisten unliebsame Personen verfolgt, terrorisiert und eingesperrt wurden. Der Archivmitarbeiter Simon Kubiak hat die Webseite gestaltet.

Das Projekt "Brennpunkte des Nationalsozialismus" ist in fünf Phasen untergliedert. Die ersten beiden Phasen, Ideologie und Zwangsarbeit, sind mittlerweile fast komplett abgeschlossen. Die weiteren Phasen, Arisierung und Außenstellen Teil 1 und 2, folgen in den kommenden Jahren. Unter anderem kann man dann nachvollziehen, wie die Nationalsozialisten das Kunigundenfest propagandistisch für ihre Zwecke nutzten und wie Juden aus Laufer Betreiben gedrängt wurden. 

Begleitend zum Projekt werden an verschiedenen Orten in Lauf Stelen aufgestellt, die über die Zeit des Nationalsozialismus aufklären sollen. Die ersten beiden Stelen stehen bereits. Zum Thema Zwangsarbeit kann man sich sowohl auf dem Laufer Friedhof am Zwangsarbeitergrab als auch neben der Bertleinschule informieren. Dort befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Zwangsarbeiterlager. Weitere Stelen sind für verschiedene Orte in der Altstadt und darüber hinaus geplant.

Um das vom Stadtarchiv konzeptionierte Projekt umsetzen zu können, beschäftigte das Stadtarchiv unter anderem den Historiker Christoph Maier als wissenschaftlichen Mitarbeiter. Er forschte im Laufer Stadtarchiv, im Nürnberger Staatsarchiv und in weiteren Archiven in Dokumenten zum Thema Zwangsarbeit. Er fand heraus, dass ein Großteil der Zwangsarbeiter, die in Lauf in Betrieben mithelfen mussten, aus Polen und der heutigen Ukraine stammen. Die notwendigen finanziellen Mittel für seine Stelle kamen größtenteils von der Summer Kulturstiftung. "Ohne die Unterstützung der Summer Kulturstiftung hätten wir das Projekt nicht durchführen können", betont Dr. Ina Schönwald, die Leiterin des Laufer Stadtarchivs. Auch die Kulturstiftung der Sparkasse unterstützt das Projekt. Die Leiterin des Archivs freut sich auch, dass Bürgermeister Thomas Lang und der Laufer Stadtrat hinter dem Vorhaben stehen, den Nationalsozialismus in Lauf aufzuarbeiten. "Es gibt in der Öffentlichkeit ein großes Interesse an dem Thema", weiß die Archivarin. Sie ist auch dankbar für die Unterstützung der Abteilung Kultur und Freizeit. 

Neben den Veröffentlichungen für alle Bürgerinnen und Bürger geht die Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen weiter. Nicht nur Bildungseinrichtungen in Lauf nutzen die online abrufbaren Inhalte, auch Schulen in Röthenbach, Hersbruck und weiteren Orten im Nürnberger Land haben ihren Geschichtsunterricht angepasst, um die Ereignisse vor Ort einfließen zu lassen. "Die Zeit des Nationalsozialismus ist jetzt über 80 Jahre her und dadurch für viele Jugendliche schwer greifbar. Umso wichtiger ist es, dass man die Ereignisse von damals anhand konkreter Orte, die für die Diktatur maßgeblich waren, hier in Lauf sichtbar machen kann", so Dr. Ina Schönwald. Lehrerinnen und Lehrer können mit ihren Schulklassen die in Lauf für das NS-Regime bedeutenden Orte besuchen. Künftig sollen dabei die Stelen helfen. Diese verfügen später auch über einen QR-Code, der auf die dazugehörige Webseite des Archivs führt.

Das Projekt soll letztendlich eine Übersicht über die gesamte Geschichte des Nationalsozialismus in Lauf bieten. "Es ist bemerkenswert, welche Arbeit unser Stadtarchiv hier leistet, denn die Kernaufgaben müssen ja nach wie vor erfüllt werden", sagt Bürgermeister Thomas Lang. "Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ist und bleibt wichtig. Wir sehen aktuell in anderen Staaten, was kriegslüsterne Autokraten anrichten können, wenn sie an die Macht kommen. Die deutsche Geschichte sollte uns als mahnendes Beispiel dienen."